Das Löchermuseum

Bohren, Löcher machen, etwas durchdringen – ein Wechselspiel aus destruktiven und konstruktiven Kräften – eine Ur-Trieb: entschlüsseln, erkunden, entdecken, erproben, durchdringen…konzentrieren…zum Kern der Sache kommen…
….wohin das Auge blickt: Löcher. Manche sind schon da, immer schon, andere kommen dazu oder verschwinden. Von winzig bis riesengroß, geheimnisvoll, lustig, gefragt, gebohrt, gegraben oder zum hinein- und hindurchgucken, zum drin wohnen oder herumspionieren – Löcher sind faszinierend und vielgestaltig! Mal stören sie, schmerzen oder lassen was entweichen. Was ist ein Loch? Was ist keines?
Lauter Löcher – noch und nöcher!
Im Rahmen des Jahresthemas „Natur und Konstruktion“ des Verbandes der bayrischen Kinder- und Jugendkunstschulen 2006, wählten wir unsere Kunstschule als Thema den Begriff „Loch“ – mehr als ein Gegenpol zum Begriff Konstruktion, denn ein Loch ist ja weitaus häufiger das Ergebnis eines de-konstruktiven, statt konstruktiven Vorgangs! Wir fanden es spannend, zu sehen, wie die Kinder und Jugendlichen mit diesem Thema umgehen würden. Im Laufe mehrerer Wochen versuchten wir uns von unterschiedlichen Seiten dem Begriff zu nähern und erfanden „Loch-Geschichten“, machten Fotosammlungen von Löchern im Stadtraum und in der Natur, malten Löcher, bohrten und brannten Löcher – und versuchten eine gültige Definition zu finden für das was ein Loch ist und was nicht – am Ende stand dabei fest, dass das ideale Loch etwas sein müsste, dass ziemlich rund, schwarz und mindesten fingertief zu sein hätte.
Für eine unserer mehrtägigen Ferienaktionen, bei denen im Schnitt etwa 15 Kinder teilnahmen überlegten wir uns ein Projekt bei dem es um das Wesentliche gehen sollte: Löcher machen! Wir bauten gemeinsam mit den Kindern aus großen Holzplatten, die uns ein Tischlerplattenwerk spendete, eine geschlossene Holzkiste von 2 x 2 Meter Kantenmaß und ließen diesen Quader mittels allerlei Bohrgeräten zwei Tage lang durchlöchern. Es stellte sich dabei heraus, dass Löcher zu machen eine Art Urtrieb sein muss, ein Mittel unsere Neugier zu befriedigen. Es war erstaunlich zu sehen, mit welcher Intensität und Ausdauer die Kinder bei der Sache waren und dabei zugleich alle Versionen und Nutzungsmöglichkeiten von Löchern umsetzten: Gucklöcher, Sprechlöcher, Lauschlöcher, Vulkanlöcher, Lichtlöcher und schwarze Löcher – mit einem großen Loch als Ein-und Ausstieg entstand ein Spiel- und Kunstobjekt – ein „LÖCHERMUSEUM“ mit einem einem Mini-Universum aus hunderten von kleineren und größeren Bohrloch-Sternen durch die Lichtstrahlen in das dunkle Innere der Kiste drangen. Nach dem Transport des Lochmuseum´s zu den bayerischen Kunstschultagen in Würzburg und dem weiteren „bebohren“ am Aktionstag hat es dort nun als Spielobjekt einen dauerhaften Platz bekommen – wobei es mir persönlich am liebsten gewesen wäre, wir wären mit dem Lochmuseum so lange durch die Lande gefahren, bis es sich in Luft, oder besser gesagt, in Löcher aufgelöst hätte … .
Lauter Löcher ….
Diese Projektskizze soll eine grobe Richtlinie sein und gibt ein Bild für das ab, worum es beim „Lochmuseum“ geht. Nachfolgende Fotos sind eine Dokumentation des „kleinen“ Löchermuseums, wie es vor 3 Jahren bei einem Projekttag in der Stadt Penzberg aufgebaut wurde. Das Motto war „uns fehlt…“ Es ging dabei darum, bei den Kindern eine Umfrage zu machen, was ihnen in ihrer Stadt oder ihrem Alltagsleben denn eigentlich so fehlt. Die Antworten durften auf Zettel geschrieben oder auch gemalt werden und durch ein selbstgebohrtes Loch in die Kiste geworfen werden.
Die verschiedenen Bohrgeräte sind über Ketten fest an der Kiste verankert.
Ansonsten gibt es einen kleinen Klapptisch-Tisch, der an der Kiste befestigt ist und auf dem die „Mangelerscheinungen“geschrieben, bzw gemalt werden können.
Die Maße der Kiste sind letztlich auch eine Frage der zur Verfügung stehenden Geldmittel.